Max Kersting |
Künstler, Designer & Autor

Ich bin Designer und Autor und wohne zurzeit in München. Aktuell ist das mehrstöckige Mietshaus, in dem ich mit meiner Freundin lebe, eingerüstet. Der Vermieter baut ein weiteres Stockwerk oben drauf. Alles ziemlich nervig gerade und das in diesen Zeiten. Aber was soll’s.

Gestern in der Früh in der Küche beim Kaffee kochen musste ich aus heiterem Himmel an das Lied „Applaus, Applaus“ von Sportfreunde Stiller denken. Ein Lied, das ich nie wirklich bewusst gehört habe und auch in letzter Zeit nicht wahrgenommen habe.

“Gestern in der Früh in der Küche beim Kaffee kochen musste ich aus heiterem Himmel an das Lied ‘Applaus, Applaus’ von Sportfreunde Stiller denken. “

Dann fing ich ein bisschen an zu murmeln und zu summen und musste feststellen: ich kenne anscheinend den kompletten Text. Also bin ich mit zwei Tassen voll Kaffee getoppt mit aufgeschäumter Hafermilch zurück ins Bett und hab meiner Freundin den Liedtext aufgesagt. Sie hat kontrolliert, ob ich es richtig aufsage. Ein bisschen falsch war ich schon, aber auch erschreckend richtig. Baulärm! Danach habe ich mich an meine Bierbankgarnitur gesetzt, die aktuell mein Schreibtisch ist und meinen “Arbeitstag” begonnen. Baulärm!

Aktuell versuche ich mich an einem etwas längeren Text. Eine interkontinentale Geschichte über Helden der Jugend, Freundschaft und Inlineskating. Baulärm! Leider komme ich sehr langsam voran, weil ich meistens tausend andere Dinge mache oder machen muss.

Als Jugendlicher habe ich Skatevideos gedreht, geschnitten und dafür die Cover gemacht. Ganze fünf Videos sind damals entstanden und ich habe in dem Zuge auch die Programme Adobe Premiere 1.0 und Corel Draw 6 gelernt. Das hat mir Spaß gemacht und schon früh war mir deshalb klar, dass ich Design studieren will. Auch ein Praktikum in einer Lippstädter Druckerei mit angeschlossener Grafikabteilung konnte mir den Wunsch nicht vermiesen. Also habe ich Design studiert. In Düsseldorf. Anschließend war ich ein paar Jahre on/off in Berliner Werbeagenturen als Texter, bis ich den damals herrschenden, immer gleichen Agenturlifestyle nicht mehr ausgehalten habe. Meistens habe ich eine neue Stelle angetreten und wollte schon direkt in den ersten Minuten vor meinem frisch für mich eingerichteten Rechner wieder kündigen. Manchmal habe ich dann 3 Wochen, machmal sogar 6 Monate ausgehalten, bis ich wieder gekündigt habe. Irgendwann habe ich es mir mit der falschen bzw. richtigen Person verscherzt und dann war ich raus aus dem Rad und frei! Da gab es dann kein Zurück mehr, zum Glück. Seitdem bin ich selbstständiger Designer mit einem kleinen Designstudio namens „Freizeit“ und nebenbei versuche ich den Weg eines Autors, Illustrators oder Künstlers zu gehen. Mir macht die Arbeit mit Bildern und Texten Spaß. Ich liebe es, gefundene Dinge zu kombinieren und so meinen Alltag und die Gefühle festzuhalten, das Banale und Magische zugleich zu porträtieren.

MAX’ BUCHAUSWAHL | BÜCHER & BILDBÄNDE

Bücher bedeuten mir mittlerweile viel. Ich bin da aber, wie bei so vielem, ein Spätzünder gewesen. Ich habe z.B. mein Abitur gemacht, ohne ein einziges Buch wirklich gelesen zu haben. Dank Lektürenhilfen aus dem Internet, winzig klein ausgedruckt und in die Bücher geklebt, habe ich so sogar ab und an eine 1 in Deutsch geschrieben. Auch Schulbücher habe ich gerne zuhause vergessen. Auf einer Zugfahrt von Lippstadt nach Düsseldorf, also schon zu Studentenzeiten, habe ich dann einfach mal eine Schullektüre wirklich gelesen. “Homo Faber” von Max Frisch. Und da hat es mich echt gepackt. Dann war ich großer Haruki Murakami Fan.

Gerade habe ich eine Phase mit Romanen aus Frankreich abgeschlossen. Édouard Louie, Annie Ernaux, Didier Eribon und Nicolas Mathieu ”Wie später ihre Kinder” fand ich ganz toll.

Am liebsten kaufe ich Bücher auf Flohmärkten. Und natürlich in Buchläden. Ich muss mit den Augen rum suchen und spontan reinlesen können, und wenn mich dann etwas packt und ich direkt weiterlesen will, wird gekauft. Auf Flohmärkten kaufe ich auch manchmal einfach so Bücher, ohne besonderen Grund. Oder weil ich mal entfernt von ihnen gehört habe. Zuletzt Malcom Lowry ”Unter dem Vulkan“, weil das Buch in dem Roman “Rohstoff” von Jörg Fauser vorkommt. Bücher empfehlen ja oft Bücher.

Gerade lese ich das neue Buch von Clemens Setz. ”Die Bienen und das Unsichtbare” und ”Die geheime Geschichte” von Donna Tartt.

Einseitige Geschichten Hatje Cantz Verlag Buchcover

EINSEITIGE GESCHICHTEN | HATJE CANTZ

Über die Entstehung des Buches

Bei einer Lesung zu meinem vorherigen Buch „Planet der Anfänger“ habe ich eine alte Freundin aus dem Studium wiedergetroffen, die gerade bei Hatje Cantz arbeitet. Leicht angetrunken (1 Bier) und nicht ganz im Ernst habe ich ihr gesagt, dass ich als nächstes gerne eine Sammlung meiner Notizen und spontanen Kurzgeschichten rausbringen würde, am liebsten bei Hatje Cantz. Also hat sie mir einen Termin beim Verlag organisiert und ich durfte meine Buchidee Nicola von Velsen vorstellen, der Geschäftsführerin von Hatje Cantz. Der Titel „Einseitige Geschichten“ ist mir auf dem Fahrrad auf dem Weg zum Verlag eingefallen. Da war mir klar, es könnte was werden. Das ist eine Klammer, die funktioniert und Sinn macht. Dass es dann eine schöne Zusammenarbeit wurde, sieht man dem Buch hoffentlich an.

Kinderbuch Mit Mia Mammut in die Eiszeit E.A. Seemann Verlag Buchcover

Ich mag alles mit Mammuts. Welche Frage mich häufig beschäftigt: Wäre ich zu dieser Zeit geboren worden, in der man noch Mammuts gejagt und gegessen hat, hätte ich mitgemacht?

Cover des Natur Buches mit dem Buchtitel Weites Land erschienen im Carlsen Verlag zum Thema Landleben

WEITES LAND | CARLSEN

Ich bin großer Fan von Catherine Meurisse.

Ich mag ihren Umgang mit Humor und ihren Blick auf die Welt. Sie ist dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo nur entkommen, weil sie an dem Morgen des Attentats für die Redaktionssitzung zu spät dran war. Irre! Das verarbeitet sie im wunderbaren Buch „Die Leichtigkeit”.

Cover von einem Sneaker Buch mit dem Titel Shoe Dog FinanzBuch Verlag

Rosamunde Pilcher für die Generation Marketing. Mir hat es sehr gut gefallen. Wenn schon ein Motivationsbuch, dann diese Biografie. Ich mag auch den Finanzbuchverlag.

Inspirierendes was inspirierend sein soll, inspiriert mich meistens weniger. Ein Besuch in meinem REWE oder bei meinem Metzger (um Kartoffelsalat zu holen) inspiriert mich z.B. mehr als, sagen wir mal, ein Podcast, in dem z.B. die Künstlerin Alicja Kwade über ihre Arbeit spricht. Trotzdem höre ich gerne solche Podcasts. Inspiration kommt bei mir häufig auch, wenn ich mich kurz ins Bett lege, ein bisschen Duftöl auf die Schläfen rolle und ein Augenkissen auflege. Dann können die Dinge, die man mehr oder weniger bewusst aufgesaugt hat, mal zeigen, was sie inspiratiorisch so können. Es kommt häufig vor, dass ich bereits nach 10 Minuten das Augenkissen runterlege und mich an die Arbeit mache. Meine Mutter näht übrigens die besten Augen-Entspannungskissen. Es gibt sogar eine inoffizielle Kollaboration mit dem Künstler Stefan Marx. Meine Mutter hat nämlich alte Lousy Livin Company Bettwäsche von mir zu Augenkissen verarbeitet. Sie füllt sie mit Hirse.

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Fotos: privat.